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Geschichten aus dem Gartenbau und Landwirtschaft

Das Jahr 1945 bedeutet für alle das Ende des Krieges und ein Neuaufbau der gesamten städtischen Ordnung und Verwaltung. Auch das mussten die Gärtner erst lernen

Die Amerikaner hatten Wiesbaden eingenommen und waren ohne Rücksicht auf die alten Grenzen des Herzogtums Nassau und des Erzbistum Mainz bis nach Mainz-Kastell und Kostheim vorgerückt und sahen den Rhein als natürliche Grenze an. Noch heute ist Mainz eine geteilte Stadt , die ursprünglichen Gebiete Mainz- Kostheim, Kastell, Amöneburg, gehören heute zu Wiesbaden was den meisten Bürgern dieser Stadtteile in ihrer bewussten Wahrnehmung bis heute nicht behagt und vor allem zur Fastnacht jedes Jahr großes Thema ist

Diese natürliche Grenze und das gesamte eingenommene Gebiet waren nun amerikanische Verwaltungszone und sie begannen mit dem Aufbau neuer demokratischer Strukturen innerhalb dieser Grenzen.

Die Brücken über den Rhein und Main waren kriegsbedingt zerstört. Allerdings errichteten die Amerikaner eine Pontonbrücke nach Mainz, das von den Engländern und Frankreich besetzt war und die dort ihre Verwaltungszone errichteten. Jeder der über diese Pontonbrücke bzw. ihrem Nachfolgemodell der Alexander-M.-Patch-Brücke musste verließ also den amerikanischen Sektor und musste in den Sektor  Franzosen einwandern. Zur Kontrolle dieser Verkehrströme musste jeder der hier passieren wollte einen Passierschein haben und wurde eingehend kontrolliert um Werwolf Aktionen ehemaliger Nazis zu unterbinden und Schmuggel zu unterbinden. Mainz sollte zur Modellstadt der Franzossen werden die sich damit von den Plänen der Amerikaner unterscheiden wollten

Für die Gärtner des Klarenthals war dies ein besonderes Problem, den ihren Gemüsesamen kauften sie traditionell in Mainz beim Samen Kämpf (heute Reformhaus Herzog). Der nach ihrer Meinung unübertroffene Qualität anbot.

Drei Tage benötigten die Klarenthaler Gärtner um der amerikanischen Verwaltung das zu erklären. Da Lebensmittel vor allem Gemüse knapp war und auch die Amerikaner interessiert waren das neu produziert wurde erhielten die Gärtner ein Passagierschein.

Also nur einer von ihnen durfte nach Mainz fahren und musste für alle den Samen holen.

Den Amerikanern standen zu dieser Zeit nicht genügend geschulte Verwaltungsleute zur Verfügung. Vor allem solche die deutsch und englisch verstanden waren Mangelware, ebenso solche mit einer unbefleckten Vergangenheit.

Auch die ständige Angst ehemalige Nazis könnten sich hier einschmuggeln hinderte die Aufstockung der Kräfte.

Nach längerer Beratung innerhalb der Gärtner- Familien wer nach Mainz fahren sollte entschied man sich für den angeheirateten Außenseiter Fritz Erkel der mit keinem verwandt oder verschwägert war, und so die Gewähr bot das alle gleichbehandelt würden. Dieser erhielt den Passagierschein und machte sich auf den Weg durch Wiesbaden nach Mainz- Kastell bis zur Pontonbrücke.

Bei der Ausreise gab es keine Probleme, aber als er die Brücke überquert hatte musste er den Passsagierschein bei der Kontrollstation der Franzosen  vorzeigen.

Auch die hatten Probleme geeignetes neues nichtbelastete Verwaltungspersonal zu bekommen, dass möglichst zweisprachig war.

In diesem Kontrollpunkt saß nun neben der üblichen Wachmannschaft eine ehemalige deutsche Jüdin, als Verwaltungskraft. Diese hatte die Zeit des Nationalismus in England verbracht und so überlebet und sich mit ihren Fähigkeiten und Sprachkenntnissen der französischen  Besatzungsmacht zur Verfügung gestellt

Sie kontrollierte den Passagierschein und zögerte. Sah ihn lange an und rief die Wachmannschaft herbei und erklärte diesen auf französische einiges, was Herr Erkel allerdings nicht verstand.

Zu seinem erstaunen musste er dann feststellen das er verhaftet wurde und in sich in Mainz  im Gefängnis wiederfand.

Ein Mithäftling, der auf dem Schwarzmarkt erwischt wurde, hatte mit ihm Mitleid und spendierte ihm auf den Schreck eine Zigarette.

Normales Feuerzeug gab es nicht und so dauerte es eine Weile bis durch reiben zweier Feuersteine die Zigarette zum Glühen gebracht wurde. Hier ohne zu wissen was jetzt passiert war musste er mehrere Tage warten.

Die Brücke wurde an diesem Tag noch von mehreren Deutschen passiert, die den Vorfall mitbekamen und Nachricht nach Wiesbaden schickten. Da es überlebensnotwendig war den Samen zu bekommen setzten die Gärtner im Klarenthal alle Hebel an den Vorfall aufzuklären.

Über Beziehungen oder Verwandtschaft die für die Amerikaner arbeiteten bekam man heraus das die Verwaltungskraft die den Passagierschein auf amerikanischer Seite ausgefüllt hatte sich verschrieben hatte und dies auf amerikanische leichte Art dadurch korrigierte das sie mit einem Radiergummi das falsch geschriebene wegradierte und neu überschrieb, das war für amerikanische Verhältnisse O.K.

Nicht so auf der französische Seite. Hier saß eine ehemals in Deutschland ausgebildet Jüdin die später vertrieben wurde und zur Unterstützung des Militärs aus England zurückkam. Die sah sofort das hier auf dem Passagierschein radiert wurde und entschied das es so einen Vorgang in Deutschland in der Verwaltung unmöglich war und folgerte daraus der Passagierschein ist gefälscht.

In Deutschland so ihre Meinung streicht man das Falschgeschriebene durch und ersetzt durch eine neue Schrift daneben.

Hier prallten also zweiunterschiedliche Verwaltungsrichtlinien aneinander mit der Folge das Herr Erkel wie berichtet im Gefängnis saß.

Nur durch den Einsatz aller und durch mehrere Tage Überzeugungsarbeit konnten die Gärtner den Vorfall aufklären und fanden sogar den Schuldigen der sich verschrieben hatte und dafür zeugte .So gelangten man dann nach Freilassung von Fritz Erkel 1945 in den Besitz des wertvollen Gemüsesamens.

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